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02.12.2009: Ein Clown verliert nie den Mut
Die
Mutmacher: Angelika Härle arbeitet als Clownin und hat Ehrenamtliche des Kinderhospizdienstes
Kirchheim ausgebildet
Seit zehn Jahren gibt es den Kinderhospizdienst der
Katholischen Gesamtkirchengemeinde und der Malteser in Kirchheim.
Ehrenamtlich werden Familien begleitet, in denen Kinder mit dem Tod
konfrontiert werden. Das Sprechen über den drohenden Tod ist nicht einfach.
Manchmal braucht es einer besonderen Sprache. Beispielsweise der von Angelika
Härle. Sie ist Clownin.

VON CHRISTA ANSEL

SCHLAITDORF. Angelika Härles berufliche Ambitionen sind
vielschichtig. In Nürtingen betätigt sich die Frau als Heilpraktikerin in
Psychotherapie, psychologischer Beratung (Psychosynthese),
Krisenintervention, Tai Chi oder Reiki. Und Angelika Härle, die in
Schlaitdorf zu Hause ist, ist Clownin. Ein Beruf, eine Berufung? Auf alle
Fälle ein Weg, in extremen, in schwierigen Situationen für Leichtigkeit, für
Lebendigkeit zu sorgen. Für eine kurze Zeit Raum zu schaffen, der neuen
Lebensmut, der Lachen zulässt.
Wer
Angelika Härle kennenlernt, spürt schnell, hier ist eine Frau ganz intensiv
dabei, ihren eigenen Weg zu gehen. Einen Weg, den sie mit offenem Ohr für die
Sorgen und Nöte anderer beschreitet. Begleitet wird sie von der Neugierde,
was ihr selbst auf diesem Weg wohl begegnen mag.
Der
Clown als magische Figur, als jemand, der stolpert und scheitert und doch
immer wieder aufsteht, findet auch in der Arbeit des Kinderhospiz seinen
Einsatz. Angelika Härle hat Gruppen von Ehrenamtlichen des Kirchheimer
Kinderhospizdienstes ausgebildet für diesen ungewöhnlichen Einsatz. Kürzlich
wurden diese Männer und Frauen dafür mit dem Caritas-Preis 2009 ausgezeichnet.
Angelika
Härle hat Sozialpädagogik studiert, hat über eine Dozentin eher zufällig
Kontakt mit der Theaterarbeit, mit der Arbeit von Clowns bekommen, hat sich
in Seminaren intensiv damit auseinander gesetzt und arbeitet heute als Clownin
mit großen und kleinen Menschen. Ihr Studium hat Angelika Härle mit dem
Diplom abgeschlossen. Die Diplomarbeit schrieb sie zum Thema "Clown als
Medium zwischen Fantasie und Wirklichkeit". Seit 1999 betätigt sich die
engagierte Frau selbst als Clownin, gehört der Gruppe "Clowns im Dienst" an,
die ihren Schwerpunkt im Tübinger und Reutlinger Raum hat.
Angelika
Härle hat bei ihren therapeutischen Clownbesuchen der Tübinger
Universitätsklinik für Kinderheilkunde viele Erfahrungen im Umgang mit
schwerkranken, mit sterbenden Kindern gemacht. Viele dieser Begegnungen haben
Angelika Härle tief berührt und bereichert. Sie erinnert sich an ein
schwerkrankes Mädchen, das sie über Monate besucht haben und mit dem
gemeinsam sie immer gern gesungen haben. Vor allem das Lied "Schön ist es auf
der Welt zu sein". Kurz vor ihrem Tod, als Sprachlosigkeit den Raum
beherrschte, hat der Wunsch des Mädchens, nocheinmal dieses Lied zu singen,
für einen ganz tiefen Moment gesorgt und eben gezeigt, "der Mensch lebt,
bis er stirbt", ist bis zuletzt offen für Freude, Liebe, Leichtigkeit....
Das zu spüren tut gut, auch denen, die Abschied nehmen müssen.
Für
Angelika Härle war es ein Anliegen, ihre Erfahrungen als Clownin an andere
weiterzugeben, beispielsweise im Rahmen der Kirchheimer Kinderhospizarbeit.
Bundesweit ist diese Gruppierung eine der wenigen, die das Angebot eines
Clown-Besuchs zu Hause bei den Familien bereithält.
Aber
nicht nur Kinder reagieren auf den Besuch eines Clowns positiv. Auch alte,
verwirrte Menschen tun dies. Der Schwerpunkt von Angelika Härles persönlichen
Einsätzen gilt heute vor allem den Menschen in Seniorenzentren und
Pflegeheimen, den Patienten von gerontopsychiatrischen Kliniken.
Was
muss ein Mensch mitbringen, will er sich zum Clown ausbilden lassen? Da gibt
es kein Patentrezept, meint Angelika Härle. Ganz sicher aber muss der Mensch
authentisch sein können, muss sich auf sein Gegenüber sensibel einstellen
können und bereit sein, jede Form von Gedanken aufzugreifen, das "verrückt
sein" positiv zu sehen.
Wofür
steht ein Clown? Angelika Härle hat die Antworten parat. Ein Clown kann
aufmuntern, die Ansprüche zurückzuschrauben, ein Clown steht dafür, auch mal
Fehler machen zu dürfen, zu scheitern. Und ein Clown mit seinem Spiel Mut,
wieder aufzustehen, weiterzumachen, Neues auszuprobieren. Ganz so, wie
Angelika Härle dies in ihrem eigenen Leben immer wieder selbst gelebt hat.
Clown
Pepsi oder Clown Lavendel sind also kaum zu trennen von Angelika Härle, die
von dem, was sie tut, überzeugt ist. Und, meint die ungewöhnliche Frau im
Gespräch mit der Redaktion, "wir haben ein großes Interesse daran, dass
unsere Ideen geklaut werden" und meint damit die Einsätze von Clowns ins
verschiedenen Bereichen sowie Kooperationen mit Clowngruppen.
Wer sich dafür interessiert,
findet Informationen im Internet unter der Adresse www.AngelikaHaerle.de und unter www.clowns-im-dienst.de.
Angelika
Schützinger im Einsatz: Staunen können, sich freuen können wie ein Kind - das tut
Kranken gut.
Foto: privat

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